CameraLore

Warum bedeutet eine kleinere Blendenzahl eine größere Öffnung?

Die Blendenzahl setzt Brennweite und Durchmesser der Eintrittspupille ins Verhältnis. Deshalb steht eine kleinere Zahl meist für eine größere Öffnung. Alles zu Blendenstufen, Schärfentiefe und Beugung.

CameraLore-Redaktion

Die Blendenzahl setzt Brennweite und Durchmesser der Eintrittspupille ins Verhältnis. Deshalb steht eine kleinere Zahl meist für eine größere Öffnung. Alles zu Blendenstufen, Schärfentiefe und Beugung.

Die Blendenzahl ergibt sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser seiner Eintrittspupille. Ein kleinerer Wert beschreibt daher normalerweise eine größere wirksame Öffnung. Beim selben 50-mm-Objektiv ist die Eintrittspupille zum Beispiel bei F2 ungefähr 25 mm und bei F4 etwa 12,5 mm groß. Eine offene Blende lässt mehr Licht herein und verringert die Schärfentiefe. Abblenden erweitert den scharfen Bereich, doch eine zu kleine Öffnung führt zu Beugung.

Warum ist die Blendenzahl ein Verhältnis aus Brennweite und Eintrittspupille?

Die rein physische Öffnung zwischen den Blendenlamellen sagt noch nicht, wie stark der Sensor beleuchtet wird, denn Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten bündeln Licht auf unterschiedliche Weise. Die Blendenzahl wird als N=f/D geschrieben: f steht für die Brennweite und D für den Durchmesser der Eintrittspupille, wie er von vorn durch das Objektiv erscheint. Auch der Blendenratgeber von Cambridge in Colour erklärt die Blendenzahl über dieses Verhältnis. Sie ist weder eine direkte Messung der Lamellenöffnung mit dem Lineal noch vom Sensorformat abhängig.

Damit wird verständlich, warum F1.8 „offener“ als F4 ist: Das kleinere Verhältnis entspricht einer Eintrittspupille, die im Verhältnis zur Brennweite größer ist. Wie sich reale Brennweite und Bildwinkel unterscheiden, erklärt der Artikel Was bedeutet die Brennweite eines Objektivs?.

Wie funktionieren ganze und Drittel-Blendenstufen?

Die Fläche einer Öffnung verändert sich mit dem Quadrat ihres Durchmessers. Um die Fläche zu halbieren, muss die Blendenzahl mit ungefähr 1,414, also der Quadratwurzel aus 2, multipliziert werden. Daraus ergibt sich die bekannte Reihe ganzer Blendenstufen: F1, F1.4, F2, F2.8, F4, F5.6, F8, F11 und F16. Kameras bieten außerdem halbe oder Drittelstufen wie F3.2 und F3.5 für eine feinere Abstimmung an.

Das Abblenden von F2.8 auf F4 kostet eine Lichtstufe. Damit weiterhin ähnlich viel Licht auf den Sensor trifft, lässt sich 1/250 Sekunde durch 1/125 Sekunde ersetzen. Kann die Verschlusszeit nicht verlängert werden, ist stattdessen der Wechsel von ISO 200 auf 400 möglich. Den vollständigen Zusammenhang zeigt die Einführung in das Belichtungsdreieck.

Wie beeinflusst die Blende Belichtung und Schärfentiefe zugleich?

Bei gleicher Brennweite, Aufnahmedistanz und Betrachtung führt eine größere Öffnung meist zu geringerer Schärfentiefe, während eine kleinere Öffnung den scheinbar scharfen Bereich erweitert. Wie stark der Hintergrund verschwimmt, hängt aber auch vom Abstand zwischen Motiv und Hintergrund, von Brennweite und Bildausschnitt sowie von der Wiedergabe unscharfer Bereiche durch das Objektiv ab. Wovon hängt die Schärfentiefe ab? erläutert diese Faktoren im Detail.

Die größtmögliche Öffnung ist nicht automatisch die beste Wahl. Bei einem nahen Porträt mit F1.2 liegt womöglich nur ein Auge innerhalb der Schärfentiefe; ein Gruppenfoto verlangt häufig nach einer kleineren Blende. Umgekehrt kann F16 bei einer Landschaft die geometrische Schärfentiefe vergrößern, während Beugung feine Details über das gesamte Bild hinweg weicher erscheinen lässt.

Warum beeinflusst die Lichtstärke Größe und Preis eines Objektivs?

Um mit einer größeren Eintrittspupille auch am Bildrand gute Qualität zu erhalten, sind meist größere Linsenelemente, eine aufwendigere Korrektur von Abbildungsfehlern und engere mechanische Toleranzen nötig. Besonders deutlich wird das bei Teleobjektiven: Die theoretische Eintrittspupille eines 400 mm F2.8 misst etwa 143 mm, die eines 400 mm F5.6 dagegen rund 71 mm. Das lichtstärkere Objektiv benötigt deutlich größere Gläser und einen größeren Tubus und fällt deshalb meist schwerer und teurer aus.

Die maximale Öffnung allein garantiert weder höhere Gesamtschärfe noch schnelleren Autofokus oder bessere Verarbeitung. Ein modernes Zoom mit variabler Lichtstärke kann in seinem üblichen Brennweitenbereich sehr gut abschneiden. Die wichtigsten Vorteile eines durchgängigen F2.8-Zooms liegen bei wenig Licht, in der Kontrolle der Schärfentiefe und in einer konstanten Belichtung beim Zoomen. Mehr dazu unter Objektive mit konstanter und variabler Lichtstärke.

Wie hängen Beugung und die „beste Blende“ zusammen?

Passiert Licht eine kleine Öffnung, wird es gebeugt; eine punktförmige Lichtquelle bildet auf der Bildebene ein endlich großes Airy-Scheibchen. Je kleiner die Öffnung, desto stärker breitet sich die Beugung aus. Dieser Ratgeber zu Beugung und Airy-Scheibchen zeigt den Zusammenhang zwischen Blende, Wellenlänge und Scheibchengröße. Ein Sensor mit hoher Pixeldichte kann eine Weichzeichnung auf Pixelebene bereits bei größeren Öffnungen sichtbar machen. Der tatsächlich sichtbare Unterschied hängt jedoch auch von Ausgabegröße, Nachschärfung, Objektivfehlern und Betrachtungsabstand ab.

Bei Offenblende können sphärische Aberration, Koma oder schwache Bildecken die Leistung begrenzen; nach ein oder zwei Stufen Abblenden verbessert sie sich häufig. Wird weiter abgeblendet, gewinnt die Beugung zunehmend die Oberhand. Eine feste „beste Blende“ für jedes Objektiv und jeden Einsatzzweck gibt es deshalb nicht. Entscheidend ist das fertige Bild, nicht allein die maximale Mittenschärfe eines Labortests.

Praktische Ausgangswerte für verschiedene Motive

  • Einzelporträts: Bei F2–F4 beginnen und prüfen, ob beide Augen und die wichtigen Gesichtspartien innerhalb der Schärfentiefe liegen.
  • Gruppenfotos: Bei F5.6–F8 starten und die Personen möglichst nahe an derselben Schärfeebene anordnen.
  • Streetfotografie: F4–F8 bietet oft einen guten Kompromiss aus Lichtmenge, Schärfentiefe und Reaktionsgeschwindigkeit.
  • Landschaften: Zuerst F5.6–F11 ausprobieren und den Fokuspunkt bewusst wählen; nicht pauschal die kleinste Blende des Objektivs verwenden.
  • Nachthimmel: Eine große Öffnung innerhalb der akzeptablen Randfehler wählen und anschließend Verschlusszeit und ISO darauf abstimmen.

Diese Werte sind nur Startpunkte. Vergrößere bei jeder Aufnahme die entscheidenden Stellen und prüfe, ob Schärfentiefe, Verschlusszeit und Bildqualität zum jeweiligen Motiv passen.

Wie lässt sich mit einer Blendenreihe der eigene nutzbare Bereich bestimmen?

Montiere die Kamera auf einem Stativ und wähle eine Szene mit Schrift im Vordergrund, einem Motiv auf mittlere Entfernung, Details in den Bildecken und fernen punktförmigen Lichtquellen. Fotografiere in Zeitautomatik oder im manuellen Modus jede ganze Stufe von der größten bis zur kleinsten Öffnung des Objektivs. Verlängere die Verschlusszeit bei jeder Blendenstufe ebenfalls um eine Stufe. ISO, Fokus, Weißabgleich und kamerainterne Schärfung bleiben fest, damit die Helligkeit vergleichbar ist.

Prüfe am Computer vier Punkte in der tatsächlich vorgesehenen Ausgabegröße: den scharfen Bereich vor und hinter dem Motiv, Details in Mitte und Ecken, Blendensterne an Punktlichtern sowie Bewegungen durch die längere Verschlusszeit. Notiere die erste Blende mit ausreichender Schärfentiefe und jene, ab der Beugung die endgültige Ausgabe sichtbar beeinträchtigt. Ist bei einer Landschaft der Vordergrund bei F8 noch weich, bei F11 alles brauchbar scharf und verliert F16 bereits etwas Feindetail, ist F11 für genau diese Komposition sinnvoll. Ändern sich Brennweite, Abstand oder Ausgabegröße, muss der Test wiederholt werden; ein Ergebnis ist keine dauerhaft gültige „beste Blende“ des Objektivs.

Quellen

Vorheriger / nächster Artikel