Wovon hängt die Schärfentiefe ab? So wird der Hintergrund unscharf oder das ganze Bild scharf
Die Schärfentiefe hängt von Blende, Brennweite, Aufnahmeabstand und Betrachtungsbedingungen ab. Erklärt werden der indirekte Einfluss des Sensorformats, unscharfe Porträthintergründe, die Hyperfokaldistanz bei Landschaften sowie Beugung und typische Fokusfehler.

Die Schärfentiefe hängt von Blende, Brennweite, Aufnahmeabstand und Betrachtungsbedingungen ab. Erklärt werden der indirekte Einfluss des Sensorformats, unscharfe Porträthintergründe, die Hyperfokaldistanz bei Landschaften sowie Beugung und typische Fokusfehler.
Die Schärfentiefe wird vor allem von Blende, Brennweite, Aufnahmeabstand und dem zulässigen Zerstreuungskreis bestimmt. Eine offene Blende, ein geringerer Abstand zum Motiv oder eine längere Brennweite bei gleichbleibendem Aufnahmeabstand verringern die Schärfentiefe in der Regel. Soll vor und hinter dem Motiv mehr scharf erscheinen, kannst du abblenden, den Abstand vergrößern und die Fokusposition sinnvoll wählen. Beliebig weit abblenden lässt sich jedoch nicht.
Sind Schärfentiefe und Bokeh dasselbe?
Die Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter der Fokusebene, der „ausreichend scharf“ erscheint. Einen abrupten Übergang von scharf zu unscharf gibt es nicht. Canons Informationen zur Schärfentiefe bei Objektiven nennen Brennweite, Blendenzahl, Fokusposition und Aufnahmeabstand als wesentliche Einflussgrößen. Das Bokeh beschreibt dagegen, wie stark und auf welche Weise Bereiche außerhalb der Schärfentiefe verschwimmen. Es wird außerdem vom Abstand zum Hintergrund, von der Eintrittspupille, von Abbildungsfehlern, den Blendenlamellen und der Form heller Lichtpunkte beeinflusst.
Was als „ausreichend scharf“ gilt, hängt von Ausgabegröße und Betrachtungsabstand ab. Dieselbe Datei kann auf dem Smartphone durchgehend scharf wirken, während bei einem großformatigen Druck aus kurzer Entfernung bereits Unschärfe sichtbar wird. Die von einem Schärfentieferechner ausgegebenen Bereiche beruhen deshalb auf einem festgelegten Zerstreuungskreis. Sie dienen der Planung und sind keine absolute Grenze für jede Art der Ausgabe.
Wie beeinflussen Blende, Brennweite und Abstand die Schärfentiefe?
Bleiben alle anderen Bedingungen gleich, vergrößert Abblenden die Schärfentiefe. Ein geringerer Abstand zum Motiv verringert sie deutlich. Wird die Brennweite bei unverändertem Aufnahmeabstand länger, steigt der Abbildungsmaßstab und die Schärfentiefe nimmt ab. In der Praxis wird jedoch häufig der Abstand verändert, um denselben Bildausschnitt beizubehalten. Dann ändern sich Brennweite und Abstand gemeinsam, sodass sich nicht jede mit einem Teleobjektiv erzielte Unschärfe allein auf die Brennweite zurückführen lässt.
Den Zusammenhang zwischen konkreten Blendenzahlen und Beugung erklärt Blende und Blendenzahl im Detail. Mehr zu Brennweite und Perspektive steht unter Brennweite und Bildwinkel eines Objektivs.
Warum beeinflusst das Sensorformat die Schärfentiefe nur indirekt?
Bei demselben Objektiv, derselben Brennweite, derselben Blende und derselben Kameraposition zeichnet ein kleineres Sensorformat lediglich einen kleineren Ausschnitt des projizierten Bildes auf. Bei einer Ausgabe in derselben Größe ändert sich jedoch die notwendige Vergrößerung. In der Praxis werden verschiedene Sensorformate meist bei gleichem Bildausschnitt verglichen. Dafür kommt am kleineren Format eine kürzere Brennweite zum Einsatz oder die Kamera wird weiter vom Motiv entfernt – und dadurch ändert sich die Schärfentiefe.
So liefern 50 mm bei F2 am Vollformat und etwa 33 mm bei F2 an APS-C von derselben Position aus einen ähnlichen Bildwinkel. Unter gleichen Ausgabebedingungen ist die Schärfentiefe mit APS-C jedoch größer. Soll auch eine ähnliche Schärfentiefe verglichen werden, muss die Blendenzahl anhand des Cropfaktors angepasst werden. Dabei sind außerdem die gesamte Lichtmenge und die ISO-Bedingungen zu berücksichtigen. Äquivalente Brennweite und Cropfaktor zeigt die vollständige Umrechnung.
Wie wird der Hintergrund bei Porträts unschärfer?
Probiere die folgenden Schritte in dieser Reihenfolge aus – sie beginnt mit den Maßnahmen, die am unmittelbarsten wirken und am wenigsten kosten:
- Vergrößere den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Das ist oft wirkungsvoller, als sofort ein lichtstarkes Objektiv zu kaufen.
- Gehe innerhalb der Naheinstellgrenze des Objektivs näher an das Motiv heran. Achte dabei auf Gesichtsperspektive und Bildausschnitt.
- Verwende eine längere Brennweite und gehe für denselben Bildausschnitt weiter zurück. Dadurch wird der Bildwinkel enger und es gelangt weniger vom Hintergrund ins Bild.
- Öffne die Blende und prüfe zugleich, ob beide Augen oder alle Personen noch innerhalb der Schärfentiefe liegen.
- Wähle einen Hintergrund mit einfachen Strukturen und nicht zu vielen unruhigen Lichtpunkten.
Starke Hintergrundunschärfe ist nicht das einzige Qualitätsmerkmal eines Porträts. Bildrelevante Informationen aus der Umgebung, die Fokustoleranz und die Abbildungsleistung des Objektivs am Bildrand können wichtiger sein als die geringstmögliche Schärfentiefe.
Wie werden Schärfentiefe und Hyperfokaldistanz bei Landschaften eingesetzt?
Die Hyperfokaldistanz ist bei einer vorgegebenen Brennweite, Blende und einem festgelegten Zerstreuungskreis jene Fokusentfernung, bei der die Schärfentiefe am fernen Ende bis unendlich reicht. Nikons Fotografie-Glossar nennt dafür die Planungsformel H=f²/(F×CoC) und weist zugleich darauf hin, dass sich der Zerstreuungskreis mit Sensorformat, Ausgabegröße und weiteren Bedingungen ändert. Wird der Fokus einfach auf unendlich gestellt, bleibt im Vordergrund oft ein Teil des möglichen Schärfebereichs ungenutzt. Bei den strengeren Anforderungen moderner hochauflösender Kameras und großer Ausgabeformate können traditionelle Entfernungsskalen zu optimistisch sein.
Lege in der Praxis zunächst den nächsten Punkt im Vordergrund fest, der scharf sein muss. Verwende eine mittlere Blende wie F5.6–F11, fokussiere auf eine geeignete Stelle etwas dahinter und kontrolliere Vorder- und Hintergrund in der vergrößerten Ansicht. Lassen sich beide Bereiche nicht in einer Aufnahme scharf abbilden, kannst du Fokus-Stacking einsetzen. Bei Wind oder bewegten Motiven musst du dabei allerdings mögliche Artefakte abwägen.
Wie lassen sich typische Irrtümer vermeiden?
- Eine kleine Blende macht nicht automatisch das gesamte Bild vollkommen scharf: Eine falsche Fokusposition, Verwacklung und Beugung verringern weiterhin die Detailwiedergabe.
- Eine lange Brennweite „komprimiert“ die Perspektive nicht von allein: Erst das Zurückgehen für denselben Bildausschnitt verändert das Größenverhältnis zwischen nahen und fernen Bildelementen.
- Ein unscharfer Hintergrund bedeutet nicht automatisch, dass das Motiv scharf ist: Bei geringer Schärfentiefe sinkt die Toleranz für eine präzise Fokussierung auf die Augen.
- Die Schärfentiefenvorschau ist nicht immer hell: Beim Abblenden wird das Sucherbild dunkler, und ein elektronischer Sucher kann durch Signalverstärkung stärkeres Rauschen zeigen.
Ist die Ursache für unscharfe Aufnahmen unklar, gehe die Checkliste für unscharfe Fotos Punkt für Punkt durch.